BIKE SMART, NOT HARD :-)

Tipps für E-Bike-Touren in den Niederlanden

Mit dem Pedelec oder S-Pedelec unterwegs im Fahrradparadies 

Fietsers Welkom bedeutet so viel wie „Herzlich Willkommen Radfahrer“. Gibt es ein Land, welches mehr mit dem Fahrradfahren verbunden wird als die Niederlande? Wohl kaum! Die Niederlande ist übrigens viel mehr als „Holland“ – Holland sind zwei Provinzen an der Nordsee von insgesamt 12 Provinzen: Südholland mit der Hauptstadt Den Haag, und Nordholland mit der Hauptstadt Haarlem. Weiter unten gibt es Tourentipps für die Provinz Friesland.

Große Städte wie Amsterdam oder Groningen sind in den Niederlanden so ausgerichtet, dass das Fahrrad im Vergleich zum Auto, Bus oder Moped als Sieger aus jeglicher Verkehrslage hervorgeht. Die offene flache Landschaft lädt zudem zu mehrstündigen Fahrradtouren ein; wäre da nicht der Gegenwind.

Hier kommt das E-Bike ins Spiel und lässt sich mittlerweile aus der niederländischen Fahrradaffinität nicht mehr wegdenken. Zwei Millionen der 23 Millionen Fahrräder in den Niederlanden (bei 17 Millionen Einwohnern) sind bereits E-Bikes. Jedes dritte neu gekaufte Rad ist ein E-Bike (Zahlen Stand 2017).

Regierung und Gemeinden bauen die Radinfrastruktur aktuell noch aus und unterstützen speziell auch E-Bikes, um Pendler auch bei Entfernungen von über 10 Kilometern vom Auto aufs Rad zu bekommen.

Als Tourist auf dem E-Bike gibt es ein paar wichtige Faktoren zu beachten.

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Unterwegs in den Niederlanden mit einem Flyer E-Bike
Unterwegs in den Niederlanden mit einem Flyer E-Bike

Bild: lebejetzt.de-Blog

Regeln für Pedelecs

Pedelecs (E-Bikes bis 25 km/h) werden wie in Deutschland als normale Fahrräder angesehen:

  • Je nach Weg ist es erlaubt, mit diesen Rädern Fahrradwege zu nutzen
  • Eine Helmpflicht besteht wie auch sonst in den Niederlanden nicht
  • Bei Bedarf ist es möglich, einen Kindersitz anzubringen

Regeln für S-Pedelecs

Anders ist es beim S-Pedelec (bis zu 45 km/h). Seit Januar 2017 ist dieses E-Bike in den Niederlanden als Moped (Motorfahrrad) klassifiziert. Das bedeutet:

  • es ist S-Pedelec-NutzerInnen wie in Deutschland nicht erlaubt, Radwege zu nutzen
  • diese E-Bikes benötigen ein Nummernschild (in den Niederlanden gelb)
  • der Fahrer benötigt mindestens einen Mopedführerschein, welchen man in den Niederlanden erst ab 16 Jahren erhalten kann
  • ähnlich wie beim eigenen Auto, ist auch eine passende KFZ-Versicherung vorgeschrieben
  • ungewöhnlich für Holland besteht Helmpflicht für diese schnellen E-Bikes

Tatsächlich wurde auch ein Helm, extra für diese E- Bikes, entworfen, welcher genug Schutz bietet, jedoch auch Bewegung zulassen soll (NTA 8776:2016 norm).

Verkehrsregeln für S-Pedelecs

Für die S-Pedelecs gelten die gleichen Verkehrsregeln wie für Mopeds. Auf der Straße ist es ihnen erlaubt, 45 km/h zu fahren. Sind jedoch spezifische Mopedwege innerhalb der Stadt ausgeschildert, dürfen diese mit einer Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h genutzt werden. Außerorts dürfen diese mit 40 km/h befahren werden.

Pedelecs ausleihen und Tour planen

Pedelecs ein paar Tage zu mieten, in den meisten Gegenden der Niederlande problemlos möglich. In der lokalen VVV-Touristeninformation kann man sich kostenlos über Verleihstationen in der Nähe informieren, sowie auf diversen Internetseiten, etwa bei hollandfahrradland.de. Dort findet ihr viele Informationen zu Tagestouren und auch zu Radfernwegen, von denen manche auch die Niederlande mit Deutschland verbinden (EuroVelo12 und EuroVelo 15). Einen nationalen E-Bike-Verleih in den Niederlanden gibt es bislang nicht. Für die Region Nord-Holland gibt beispielsweise den Verleih „Foets„, der aktuelle Flyer-E-Bikes vermietet und deutschsprachig ist. In Groningen kannst Du zum Beispiel bei Trendewheels ein E-Bike mieten (Website auf Englisch). Einen nationaler E-Bike-Verleih existiert noch nicht in den Niederlanden, deshalb wendest Du Dich am besten vorab an die lokale Touristeninformation Deiner Zielregion. Für radlerfreundliche Unterkünfte gibt es zum Beispiel die Vereinigung Vrienden op de fiets – Fahrradfreunde (nl/en).

Sicherheit

Gerade als Fahrradland sind die Niederlande leider auch prädestiniert für Fahrraddiebstahl. Egal ob S-Pedelec, normales Pedelec oder herkömmliches Fahrrad: Ein qualitativ hochwertiges Schloss ist essentiell. Die meisten Niederländer schließen ihre Räder sogar mit zwei Schlössern ab: Mit einem Fahrradschloss, welches am Rad selbst befestigt ist und einem Kettenschloss, welches dazu dient, das Rad an einem festen Gegenstand anzuketten. So wird verhindert, dass es sich nicht problemlos davontragen lässt. Leihräder sind dementsprechend ausgestattet.

Radfernwege und Knotenpunkte deluxe – Die Niederlande ist bestens vernetzt

Die Infrastruktur der Niederlande ist in vielen Aspekten auf Fahrradfahrer ausgelegt. Derzeit gibt es landesweit insgesamt rund 30.000 km Fahrradwege. Quer durch die Niederlande finden Sie sogenannte Knotenpunkte, welche ein Netzwerk aus verschiedenen Routen bilden. Einen Online-Radroutenplaner für dieses Netz – plus Radfernwege – bietet die oben schon erwähnte Website hollandfahhradland.de – inklusive GPS-Download der gefundenen Route.

So bieten hunderte von Fahrrad-Routen Freizeitsportlern und Naturliebhabern ein abwechlungsreiches Programm. Gekennzeichnet sind die unterschiedlichen Knotenpunkte mit nummerierten Routenschildern – welche nicht nur zur Orientierung, sondern auch dazu dienen, die zurückzulegende Strecke besser einschätzen können.

Zudem kann die geplante Route ideal an das eigene Fitnesslevel und bestimmte Vorlieben angepasst werden. Alle Routen sind zwischen 30 und 50 km lang und nach Themen, wie zum Beispiel “Windmühlenroute”, benannt. Das schöne an diesen Routen ist, dass diese nach Belieben mit Hilfe der jeweiligen Knotenpunkte zu einer individuellen Tour zusammengestellt werden können.

Fahrradrouten – Mehr als Holland

Käse, Tulpenfelder, Windmühlen und historische Gebäude: Das sind die Markenzeichen der Niederlande. Die Mischung aus verbreitetem Umweltbewusstsein, flachem Land mit vergleichbar kurzen Entfernungen, einer effektiven Radverkehrspolitik und dem Anreiz die Natur hautnah und durch körperliche Betätigung zu erleben, machen hier den besonderen Unterschied. Die Niederlande vom dem E-Bike aus zu erfahren ist schon ein besonderes Erlebnis.

Friesland – Natur und Wasser hautnah erleben

Eine beliebte und gut erreichbare Provinz für deutsche Grenzbewohner, die Fahrradtouren im Nachbarland schätzen, ist die Provinz Friesland. Friesland zeichnet sich durch seine einzigartige Natur, zahlreiche Seen sowie die Nähe zur Nordsee aus. Die Provinz hat seine ganz eigene Kultur und die meisten der Bewohner sprechen hier Friesisch. Friesland bietet eine Vielfalt kultureller und naturbedingter Prachtstücke, die unter freiem Himmel und mit weitem Blick über die Landschaft vom Fahrrad aus genossen werden können. Durch niedliche Dörfer, an glitzernden Seen und prachtvollen Wiesen vorbei, geht es kilometerweit bis zur Küste des niederländischen Wattenmeers, welches seit 2009 auch zum UNESCO-Weltnaturerbe gehört.

Im Folgenden finden Sie zwei schöne Routenbeispiele in und um Friesland für alle Bedürfnisse, egal, ob als Tagestour oder für längere Ausflüge.

Routentipp 1: Tagesausflug Venentour

Natur pur: 47 km mit dem Fahrrad durch einen der schönsten Nationalparks der Niederlande

Tour durch den Nationaal Park De Oude Venen
Tour durch den Nationaal Park De Oude Venen

Bild: Blog lebejetzt.de

Friesland bietet sich hervorragend für Tagesausflüge auf dem Rad an. Eine dieser märchenhaften Routen verläuft durch den Nationalpark Alde Feanen, der durch seine Naturpracht beeindruckt. Schmale Wasserstraßen, kleine Gewässer und Seen sowie weitreichende Morastgebiete sind unterwegs zu bestaunen. Alde Feanen zeichnet sich durch mehr als 450 verschiedenen Pflanzen aus und mehr als 100 unterschiedliche Vogelarten sind hier heimisch. Mit etwas Glück können sogar Reh, Fuchs, Baummarder oder Otter erspäht werden. Startpunkt und Ziel bei der Route ist das kleine Städtchen Grou im Herzen Frieslands. Nach niederländischem Brauch werden manche Teile der Strecken auch hier mit der Fähre überquert. Hierbei ist es wichtig, früh genug sicherzustellen, dass die Fähren zu der jeweiligen Jahreszeit noch in Betrieb sind. In der Regel sind sie lediglich zwischen April und September tätig. Insgesamt beträgt die Gesamtstrecke ca. 47 km, welche sich ideal für eine Tagestour anbietet.

Routentipp 2: Wochenendtour

Groningen → Lauwersmeer → Schiermonnikoog → Lauwersmeer → Groningen

E-Bike-Tour in Friesland
Wochenendtour Groningen → Lauwersmeer → Schiermonnikoog → Lauwersmeer → Groningen

Bild: Blog LebeJetzt.de

Mit dem Fahrrad von Groningen nach Schiermonnikoog in nur 3 Tagen und zurück: Ca. 120 km Natur, Spaß und Aktivität! Los geht es in der kulturreichen und historisch-modernen Studentenstadt Groningen, die mit ihren zahlreichen Cafés, Gasthöfen und gemütlichen Einkaufsstraßen überzeugt. Lauwersoog ist ein idyllisches Fischerdorf, dass am Binnengewässer Lauwersmeer liegt und von einer Vielzahl von Restaurants, einem Campingplatz und einer herrlichen Natur rund um den Nationalpark des Lauwersgebiets umrandet wird. Für die nächtliche Ruhe kann entweder ein Zeltstellplatz auf dem Campingplatz oder eine Übernachtung in einem der gemütlichen Ferienhäuser gemietet werden.

Am nächsten Tag geht es dann mit der Fähre auf die Ferieninsel Schiermonnikoog, eine der beliebtesten der Westfriesischen Inseln der Niederlande. Schiermonnikoog ist die kleinste der fünf Watteninseln, bietet aber traumhafte Badestrände, die mit einer Breite von einem Kilometer zu den breitesten Badestränden Europas gehören. Die Insel gilt seit Ende der 90er Jahre mit dem dazugehörigen Wattenmeer als Nationalpark, der einzigartige Natur, wie beispielsweise kilometerlange Dünen, Wattgebieten und sogenannten Salzwiesen birgt. Historische Gebäude und Bauwerke sowie die wunderschöne Idylle der Insel lassen sich mit einer weiteren E-Bike-Tour um die Insel betrachten. Wenn Sie das E-Bike allerdings einmal stehen lassen möchten, bieten sich hier auch Kutschfahrten und Bootstouren als geführte Exkursionen an.

Nach dem Aufenthalt auf der Insel können Sie die Fähre zurück nach Lauwersoog nehmen. Von dort aus fahren regelmäßig Busse zurück nach Groningen. Alternativ können Sie sich natürlich auch mit dem Fahrrad zurück an den Ausgangspunkt begeben.

Fazit

Ein Ausflug in die Niederlande lohnt sich. Wer Natur und Kultur bei gleichzeitiger körperlicher Bewegung erkunden will, macht bei dem Erkunden der Niederlande mit dem E-Bike sicherlich keinen Fehler. Bestens ausgestattete Fahrradwege plus ausgeschilderte Routen ermöglichen es, die Naturschönheiten der Niederlande auf entspannte und gemütliche Weise zu erkunden.

Dieser Beitrag ist ein Gastartikel des Blogs LebeJetzt.de

Author: gast

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