BIKE SMART, NOT HARD :-)

Comeback der Hinterrad-Nabenmotoren?

Leichte Urban und Gravel E-Bikes setzen auf den Hinterradmotor 

2018 war klar gewesen: Der Mittelmotor hat sich beim E-Bike durchgesetzt, das hatten wir hier selbst geschrieben (und schreiben andere auch: The Big Five). Der Fokus des ganzen E-Bike-Trends lag auf der Eroberung der sportlichen, jungen Zielgruppen mit dem „Uphill Flow“ – so das Schlagwort des Marktführers Bosch. Diese Eroberung ist in den letzten zwei, drei Jahren zweifellos gelungen, und einen großen Anteil daran hatten und haben die Mittelmotoren und so schöne Konzepte wie die AllMountain-EMTBs (wie etwa das Haibike SDURO FullSeven).

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Hinterrad-Nabenmotor im Coboc ONE
Hinterrad-Nabenmotor im Coboc ONE

Bild: ebikespass.de

Aber es gibt jetzt einen neuen Trend. Das E-Bike kann nämlich auch ein verdammt ästhetisches und cooles Verkehrsmittel für die Stadt sein. Im Zentrum dieses Trends: Der Hinterrad-Nabenmotor.

Agile E-Bikes: Besser als Stau und ÖPNV

Ähnlich wie das Lastenrad urbanes Terrain für die Familien eroberte, erweitert das sportliche Urban E-Bike derzeit Radius und Reichweite von StudentInnen, junggebliebenen StadtbewohnerInnen bis zu den PendlerInnen.

Und zwar leicht, leise und elegant. Nicht kraftstrotzend, sondern smart. Nicht so sehr für Berge und Freizeit, eher für die Wendigkeit in Stadt und Alltag. Junge E-Bike-Marken wie Ampler, Desiknio oder Coboc (einige Bilder auch beim Bericht über die Cyclingworld 2019) liefern die passenden Modelle für die persönliche Verkehrswende. Hier baut die Zielgruppe für die Zielgruppe!

Diese neuen E-Bikes wollen smarten Lifestyle verkörpern und zugleich vollwertige Verkehrsmittel im städtischen Raum sein. Kann das gehen?

Der Hinterrad-Nabenmotor: Auf leisen Sohlen

City-Bikes, leichte e-Bikes, Gravel-Bikes und Pendler-S-Pedelecs: Sie alle können besonders vom Hinterrad-Nabenmotor profitieren. Die Hersteller können leichtere Rahmen verwenden als beim Mittelmotor und sind freier im Design.

Die Fahrer von Hinterrad-Nabenmotoren schätzen als Vorteile gegenüber dem Mittelmotor:

  • das direkte Ansprechen
  • die Laufruhe
  • die Fahrdynamik des wie gewohnt vom Hinterrad kommenden Schubs
  • integrierter mechanischen Freilauf – auch ohne Motorschub wird kein zusätzlicher Kraftaufwand nötig
  • manche Motoren kommen ohne interne Übersetzung aus, da die Motorwelle gleichzeitig als Hinterradnabe dient
  • Nabenmotoren gelten als äußerst robust und resistent gegen mechanische Ausfälle

„Weder Getriebe noch Antriebsstrang erzeugen einen Widerstand, weshalb der mechanische Wirkungsgrad sehr hoch ist“, erklärt Stefan Stiener, Geschäftsführer des Reiseradspezialisten Velotraum. Weil Kette und Zahnkränze vom Motorantrieb entkoppelt arbeiten, gilt der Komponentenverschleiß als wesentlich geringer im Vergleich zum Mittelmotor.

„Neben der sportlichen Fahrweise ist mit dem Hinterradnabenmotor auch ein klassischerer Designansatz beim Rahmen umsetzbar. So lässt er sich sehr schön in das Gesamtkonzept des Rades integrieren“, erläutert Harald Troost vom niederländischen Hersteller Koga einen weiteren Vorteil.

E-Bikes mit Hinterrad-Nabenmotoren werden damit für neue E-Bike-Zielgruppen interessant, die Wert auf leichtere, ästhetische und reduziertere Designs legen. Fast übersiehst Du den Motor, der sich zwischen Bremsscheibe und Ritzeln versteckt. Elegantes Understatement, wie schon beim Fahrbericht des Coboc TEN Torino festgestellt.

Technisch sind diese Motoren sogenannte „Bürstenlose Gleichstrommotoren“, für Pedelecs meist als „250W“ Freilauf-Getriebemotoren ausgeführt. Im Gegensatz zu einem Verbrennungsmotor kennt ein Elektromotor so etwas wie eine „maximale Leistung“ nicht. Er kann je nachdem, wie gut man ihn kühlt, jede Leistung erzeugen. Die angegebenen Leistungen wie „250W“ sind daher „Nennleistungen“, die der Motor im Normalbetrieb und normalen Bedingungen dauerhaft leisten kann. Zusätzlich wird bei einem Elektromotor die maximale Leistung durch Akku und Controller bestimmt.

Ein kleiner Nachteil des Nabenmotors: Der Schwerpunkt des Rades liegt beim Motor in der Radnabe etwas höher als bei der Tretlagerposition der Mittelmotoren. Dafür sind diese Radnabenmotoren in der Regel wesentlich leichter.

E-Bike Trend: Minimalismus, Funktionalität und Design

Zu dieser Kombination aus Funktionalität und Design tragen ganz wesentlich ein paar neuere Entwicklungen bei:

  • zuverlässige, fast versteckt im Hinterrad untergebrachte Motoren mit relativ geringem Gewicht
  • in den Rahmen integrierte Akkus mit ausreichender Leistung
  • leichtere Rahmen und Komponenten (wie Carbongabeln)
  • der Hinterradmotor schont den Antriebsstrang des eBikes: Kette, Ritzel, Schaltung (s.o.)

Die leichten, per Hinterradmotor angetriebenen E-Bikes lassen sich in der Regel mühelos über der 25 km/h-Grenze fahren, also ohne elektrische Unterstützung, und erreichen ohne Widerstand ein Stadttempo von 30 km/h und mehr.

Die Motoren der City-Flitzer kommen etwa von Bafang oder  Ansmann. Am E-MTB findest Du die Hinterradmotoren einfach deshalb seltener, weil sie am Berg nicht ganz soviel Drehmoment bieten und sie ihre Stärken in der Stadt besser ausspielen können. Nur ganz selten findest Du bei den E-MTBs Leichtgewichte. Am ehesten bei den Modellen mit Brose Drive Smag oder mit Fazua Antrieb.

Die Hersteller der neuen Urban-Bike-Klasse arbeiten an der weiteren Perfektion des Konzepts: Zum Beispiel am schnelleren Laden der etwas kleineren Akkus in den leichten E-Bikes.

Smartphones unverzichtbar

Der Verzicht auf Displays setzt allerdings voraus, dass die Hersteller die Steuerung und Individualisierung per App möglich machen. Das Handy wird als „immer dabei“ Gerät quasi vorausgesetzt. Das muss dann doch in eine Fahrradhalterung am Lenker … womit ein kleiner Teil der Ästhetik wieder verloren geht.

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Schauspieler Jürgen Vogel auf dem Coboc ONE Berlin Sondermodell
Jürgen Vogel auf dem Coboc ONE Berlin Sondermodell - Speziell gebaute Kleinserie für den Schauspieler

Bild: Coboc

Leichte Urban-E-Bikes: Beispiele

Zu den aktuell leichtesten E-Bikes zählen:

  • Coboc ONE eCycle – 11,7 kg
  • Wilier Cento1 Hybrid – Road – Ultegra – 12 kg
  • Desiknio Single Speed Classic – 13,3 kg
  • Orbea Gain D20: 13,45 kg
  • Ampler: 13,5 kg
  • Coboc TEN Torino – 14,7 kg
  • GEOS GRAVEL – 15 kg
  • Desiknio Pinion Classic: 15,7 kg
  • GEERO  Standard Classic – 16 kg

Was ist eigentlich ein Nabenmotor??

Ein Radnabenmotor, sagt Wikipedia, ist ein Motor, der direkt in ein Rad eines Fahrzeuges eingebaut ist (beim E-Bike meist im Hinterrad) und gleichzeitig die Radnabe trägt.

Ein Teil des Motors überträgt das erzeugte Drehmoment direkt und ohne weitere Verluste (etwa durch Kette oder Schaltung) auf das Rad, mit dem er umläuft.

Prinzipiell lässt sich bei einem elektrischen Radnabenmotor eine Bremsenergierückgewinnung – Rekuperation – realisieren. Ein Beispiel war der BionX-Hinterradmotor. Damit werden die Nabenmotoren in der Regel allerdings schwerer. Deshalb ist dies bei den Motoren der hier besprochenen leichten Urban E-Bikes nicht der Fall.

Ein weiterer wesentlicher Nachteil des Nabenmotors im Vergleich mit dem Mittelmotor, der über Kette und Gangschaltung das Laufrad antreibt, ist das starre Verhältnis zwischen seiner Umdrehungszahl und der Raddrehzahl – siehe auch Wikipedia: Elektroantrieb (Fahrrad).

Neben E-Bikes finden sich Nabenmotoren unter anderem an Elektroautos, an Motorrädern, an E-Scootern und elektrischen Skateboards.

Bike Boom: Teil eines Mega-Trends

Die leichten Urban E-Bikes sind nicht nur selbst ein Trend, sie treiben auch einen Megatrend an: Nämlich den Megatrend Urbanisierung.

„Das Fahrrad erlebt gerade eine Renaissance, wenn nicht gar eine Neuerfindung,“

sagt der Mobilitätsexperte Dr. Stephan Rammler in einem Interview des Think Tanks „Zukunftinstitut“.

Nicht nur die Mittelmotoren haben geholfen, das Fahrrad – komplett mit einem ganzen Markt – neu zu erfinden: Mir scheint, dass der Trend zum Leichtbau bei E-Bikes ein weiterer Evolutionszweig dieser Neuerfindung des Bikes ist.

Die E-Bikes dieser jungen Hersteller sind damit passende und willkommene „Vehikel“ im wahrsten Sinn des Wortes für all diejenigen, die mit ihrem Mobilitätsverhalten den Megatrend Urbanisierung vorantreiben, mit und am eigenen Leib.

Hoffentlich tun sie und wir das immer umsichtig, rücksichtsvoll und defensiv … an der nicht immer übersichtlichen und ungefährlichen Front der allmählichen Neuordnung der Stadtverkehrs.

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Author: ebikespass

E-Bikes verbinden für mich ideal Frischluft, Fitness und eine ordentliche Entdeckungsreichweite ... Ich habe früher Motorradfahren genossen - Pedelecs machen mir heute mindestens genau soviel Spass - und sind dabei gut für die Umwelt, den Körper und die Seele! Ein persönliches Dankeschön an alle, die mit ihren Kommentaren, eigenen Erfahrungen und Fragen diesen E-Bike-Blog weiter aufwerten! Was brachte Euch zum E-Biken? Was macht am meisten Spass, was ärgert Euch? Stellt Ihr Euch noch Fragen vor dem Kauf? Gerne in den Kommentaren Fragen stellen oder Eure Anregungen und Kritik - wir antworten!

2 Kommentare

  1. Klever das leichteste Bike? Das stimmt nicht. Es ist eins der schwersten….

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    • Danke für den Hinweis. Ich nehme das mal raus, es handelt sich beim BIACTRON wohl nur um das Antriebssystem, nicht mehr (?) um ein verfügbares leichtes E-Bike-Modell.

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