Unsere E-Bikes

Haibike SDURO HardSeven RC, Riese & Müller Charger Touring 

Na gut, wir haben uns genau genommen Pedelecs gekauft – im Sinn unserer Typologie bleibe ich hier trotzdem bei „E-Bike“ als Oberbegriff.

Wir haben uns zwei recht unterschiedliche Typen gekauft – einmal das Haibike SDURO HardSeven RC mit Yamaha-Motor als Vertreter der E-Mountainbikes,

Das Haibike SDURO, rechts der Charger

einmal den Blue Label Charger Touring von Riese&Müller mit Bosch Motor, der eher als Urban- oder Tourenbike einzuordnen ist.

Warum fiel unsere Wahl auf diese verschiedenen Räder? Es war tatsächlich nicht die ausgiebige Internet-Recherche. Wenn Du noch so wenig Ahnung von der Modellvielfalt und von den technischen Details hast, die teils notwendig, teils Spielerei sind – dann sagen Dir technische Testergebnisse und Modellvergleiche zu wenig. Dass wir zwei unterschiedliche Typen wählen würde, gefiel uns auch als gute Basis zum Berichten in diesem Blog.

Meine Gründe fürs Haibike

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Via Verde, Mallorca - Haibike XDURO AllMtn RC

Beim Haibike war ich persönlich beeinflusst durch das Erlebnis mit dem Leih-Hai „XDURO AllMtn RC“ im Jahr 2015, mit dem ich einen Tag lang mit großem Spaß von Cala Millor über die Straßen, Feldwege und die Via Verde geflogen bin. Das AlltMtn Pro war vollgefedert, das SDURO HardSeven RC ist eine Schwestervariante mit fester Hinterradaufhängung.

Ich dachte mir, ein „Fully“ (hinten wie vorne gefedert) muss nicht sein, das überlasse ich gern den harten Jungs, die tatsächlich über Stock, Wurzel, Fels und Stein hinaufheizen oder hinunter brettern wollen. Ein Fully ist auch etwa um 1000 Euro teurer, so dass das HardSeven wie die Wahl der Vernunft aussah: sportlich, mit Spaß zu fahren, wendig, vom Preis mit 2699 € gerade noch in Ordnung. Im Laden war ich zwar etwas enttäuscht, das die blau-grün lackierte Variante nicht mehr zu bestellen war, inzwischen bin ich aber von der gelieferten anthrazitgrauen Version mit gelben und blauen Akzenten in der 27.5 Zoll-Ausführung (Reifendurchmesser) sehr angetan. Die Probefahrt war kurz, es gab auch keine großen Steigungen oder gröbere Wege rings um das Geschäft herum zum Testen, und sie bestätigte meine Vorfestlegung. Dass die E-MTBs wie das SDURO keine Gepäckträger, keine Beleuchtungsanlage, keinen Ständer besitzen (und streng genommen keine Straßenverkehrzulassung) störte mich erst einmal nicht – schließlich waren Nachtfahrten und Touren mit großem Gepäck nicht wirklich geplant. Und was mitzunehmem wäre, sollte doch ein einen kleinen Rucksack passen, oder?

Technisch entsprach das SDURO dem Stand der Dinge Anfang 2016: Yamaha Mittelmotor 36 Volt, 250 Watt, Akku Lithium Ionen 36 Volt, 400 Wh, Schaltung von Shimano, Bremsen von Tektro mit 180mm Scheiben. Alle Details zu dem Rad finden sich auf der Haibike-Produktseite.

Ein großer Vorteil des SDURO war uns bei der Entscheidung gar nicht bewußt: Es ist mit 22,3 kg inkl. Akku eines der leichtesten E-Bikes (große Ausnahme: die Vivax-Assist E-Bikes mit ca 15kg aus Wörgl /Österreich). Das stellte sich für uns im Lauf der Zeit als ein weit wichtigeres Kriterium heraus, als wir anfangs vermutet hätten.

Andreas Gründe für’s Riese&Müller Charger

Andrea hatte bislang auf Mallorca ein Scott-E-MTB gefahren (unser Bericht zum Test am Cap Formentor)  sowie bei unserem Test auf dem Chiemsee-Radweg ein Tiefeinsteiger-Pedelec. Vor allem das letztere war ihr auf den Kies- und Waldabschnitten zu unruhig gewesen, die Reifen zu dünn, das Vorderrad zu instabil – sie kam sich nicht sicher vor. Deshalb sollte ein stabiles Bike mit breiteren Reifen her. Der Händler zeigt ihr ein Riese&Müller Charger GX Fatbike in Curry und den blau-orangen Charger Touring Gulf, und letzterer wurde auch zum Test gefahren. Ein klasse Rad, und sehr stylish noch dazu  – die Gulf Racing Farben erinnerten an Steve McQueens Porsche im Film „Le Mans“.

Andrea mit dem Charger Touring im Gulf Racing Style

Als i-Tüpfelchen spendierte unser E-Bike Händler Andrea sogar noch den farblich passenden Helm dazu! Von einer der ersten Touren kam sie bester Laune und 10cm größer zurück: „Tolle Frau, tolles Outfit, tolles Fahrrad“, hatte ihr der Kioskbesitzer am Gollenshausener Strand bestätigt.

Den Charger Touring kann man übrigens getrost auch als Design-E-Bike bezeichnen: Das Modell wurde 2013 mit dem Eurobike Gold Award ausgezeichnet, in 2014 gewann es den RedDot Award für sein ausgezeichnetes Produktdesign.

Der Charger konnte ganz praktisch gleich mit montiertem Schloss bestellt werden, Gepäckträger, Beleuchtung, Ständer waren ohnehin Teil des Konzepts. Weiterer Vorteil: Der gleiche Schlüssel öffnet sowohl die Akkuhalterung als auch das Schloß (Ein unerwartetes Feature, das wir bei der Einweisung wohl beide überhört hatten, denn so suchten wir zuhause mehrere Stunden nach dem zweiten Schlüssel – auch der verzweifelte Anruf beim Händler sorgte leider nicht für den Hinweis, dass ein und derselbe Schlüssel für beides zuständig ist).

Als Reifen wählten wir die vorgeschlagenen Tourenreifen. Um es vorweg zu nehmen: Das Rad fährt wie auf Schienen, und als ich damit den Fahrweg von der Kampenwand hinunterrauschte und die Bremsen mehrmals die knapp 97 kg Gewicht von Fahrer und E-Bike vor Kehren und Kiesabschnitten von etwa 60km/h heftig runterbremsen mussten, fühlte ich mich darauf bald so sicher wie damals auf meiner Yamaha XS. Hier musste das Haibike zurückbleiben – mit den Stollenreifen waren solche Bremsverzögerungen unmöglich und viel schlechter zu dosieren.

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Dass ich heute mehr den Charger fahre und Andrea mehr das Haibike, hat aber nichts mit Tempo oder mit SteveMcQueen-Nostalgie zu tun. Andrea ist der R&M Charger schlicht zu schwer. Es wiegt nachgemessen inkl. Bosch 500W Akku 25,1 kg, dazu kommt noch das montierte Abus Bordo Schloss mit 1 kg – macht für sie 26,1 kg, deutlich mehr als die 23,o kg bzw. 23,2 kg, die auf der Riese&Müller-Website (inkl. anderem Schloss) nachzulesen sind (Charger Touring: http://www.r-m.de/bike/charger-touring/ – Charger Touring HS: http://www.r-m.de/bike/charger-touring-hs/ ).

Das Riese & Müller CHARGER Touring

Demgegenüber wiegt das Haibike inkl. dem 400W Yamaha-Akku 22,3 kg. Knappe 4kg Unterschied, die sich aber im Handling für Andrea bemerkbar machen. Vor allem das Handling im stehenden Zustand: Auf dem Fahrradweg kurz versetzen, mal hier schnell drehen, mal dort eine kleine Stufe…

Hätten wir die Räder mit den Erfahrungen der ersten etwa 300 Kilometer auch gewählt?

Das Riese & Müller Charger Touring ist ein klasse Rad in der Stadt oder am Stadtrand, sicher auch auf längeren Touren, solange der Untergrund einigermaßen fest bleibt. Wegen dem Gewicht würde Andrea wahrscheinlich nochmal überlegen. Das Haibike SDURO? Ja, eventuell aber doch ein voll gefedertes Modell, also „Fully“. Sobald der Untergrund holpriger wird, würde meinem Kreuz durchaus eine Hinterradfederung gut tun.

Es geht nicht um Yamaha oder Bosch

Daraus resultiert unser Ratschlag, dass der potentielle E-Bike-Käufer sich im Laden vor Ort unbedingt ein Bild und Probefahrten machen soll mit den verschiedenen Typen und Modellen. Es geht gar nicht um Yamaha oder Bosch, nicht einmal unbedingt um Mittelmotor oder Nabenmotor. Liebe Händler – es geht auch nicht nur um die Messung der Schrittlänge für die korrekte Rahmenhöhe.

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Das Haibike auf dem Chiemsee-Radweg in der Nähe der Prien-Mündung
Auf dem Chiemsee-Radweg in der Nähe der Prien-Mündung

Der gute E-Bike-Händler sollte seine Kunden nicht „zutexten“ – aber doch einschätzen können und ein paar sensible Fragen klären. Er sollte den Spass, die richtige Entscheidung und damit auch die Fahrsicherheit fördern. Er sollte seine E-Bikes unbedingt auch tageweise verleihen und den Leihbetrag auf den Kaufpreis anrechnen.

Es geht darum, sich vorzustellen, was man mit den tollen Bikes unternehmen möchte, wie das eigene Fahrtemperament, auch das eigene Rad-Können ist und vor allem darum, ausgiebig Probefahrten auf verschiedenen Untergründen und auch mit Steigungen, Gefällen, im Straßenverkehr und in Feld und Wald durchzuführen. Erst dann kann man ein Gefühl dafür entwickeln, wozu das Rad geeignet ist, wie gut und stark so ein Motor unterstützt und was man selbst mit dem Rad gern (oder ungern!) erleben möchte.

Probefahren bringt mehr Sicherheit

Ein E-Bike wird ja auch gern als Wieder-Einstieg ins Rad fahren gewählt: Einfach so draufsetzen und losfahren ist aber nicht wirklich zu empfehlen. Manchmal schiebt der Mustang stärker als intuitiv erwartet, und das Gewicht ist gegenüber dem früheren Normalfahrrad auch um einiges höher. Mehr vorausschauendes Fahren und mehr Sicherheitsabstand zum Vordermann sind auf jeden Fall anzuraten.

Sich entspannt vom „elektrischen Rückenwind“ fahren zu lassen, ist schön. Aber so ein E-Bike kann sich anders verhalten, als man intuitiv erwartet und vom Fahrrad gewöhnt ist: Es kann wilder Mustang und störrischer Esel sein. Diese Mischung verlangt vom Pedalisten Aufmerksamkeit, vorausschauendes Fahren und einen größeren Sicherheitsabstand. Und ohne Helm zu fahren ist natürlich nicht cool, sondern dämlich.

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Frühlingsstimmung am Froschsee mit Haibike

Am Haibike habe ich – auch uncool – einen Ständer nachgerüstet. Bei jeder kurzen Pause das Rad auf den Boden zu legen oder einen Pfosten zu suchen war mir zu lästig. Ebenfalls im Rucksack dabei: Licht für abends. Was an einem Touren- oder Trekkingrad wie dem Charger Touring klasse ist: der Gepäckträger. Nicht immer ist es ein Vergnügen, mit vollem Rucksack zu velozipedieren